Elektroautos sind gefährlich

München, 14.07.2020

Als erfahrener Experte im Bereich für intelligente Lade- und Energielösungen hat es sich The Mobility House zum Ziel gesetzt, die weitverbreiteten Märchen rund um das Thema Elektromobilität einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und in Frage zu stellen. In Märchen Nummer sechs um die angeblichen Gefahren, die ein Elektroauto mit sich bringt.

Eine Übersicht aller Märchen ist hier zu finden.  

Es war einmal...ein gefährliches Elektroauto!

Folgt man der Berichterstattung in den Medien, möchte man meinen, Elektroautos gehen häufiger in Flammen auf als Benziner oder Diesel. Dem ist allerdings nicht so. ADAC, Dekra und Vertreter der Feuerwehr sind sich einig: Dass Elektroautos bei Unfällen in Brand geraten, ist äußerst selten, da die Hersteller die im Unterboden verbauten Akkupakete aufwändig schützen.

Zwar ist die Datenlage noch zu dünn, um endgültig sagen zu können, ob Elektroautos oder Verbrenner häufiger in Brand geraten. Es gibt aber eine Tendenz: Die Experten vermuten, dass Elektroautos seltener zum Brennen neigen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Und die fangen deutlich häufiger Feuer, als man meinen möchte: Dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge kommt es hierzulande zu 40.000 Fahrzeugbränden im Jahr, meist kleinere Schmorschäden durch Kurzschluss. Davon sind 15.000 Fälle tatsächliche Brände — also gut 40 am Tag.

Darüber hinaus müssen alle Fahrzeuge dieselbe Sicherheitsprüfung durchlaufen und werden auf Herz und Nieren getestet, bevor sie auf die Straße dürfen. Im Falle eines Elektroautos müssen alle Bestandteile „eigensicher“ ausgelegt sein, so der ADAC. Das bedeutet konkret: Sobald ein Defekt auftritt oder ein Unfall passiert, muss der Stromfluss zur Batterie automatisch unterbrochen werden.

AVAS ist verpflichtend

Ein weiteres Gefahrenpotential, welches den Stromern vorgeworfen wird: der fehlende Geräuschpegel. Lediglich ein leises Summen kündigt die Ankunft eines Elektroautos an, ganz im Gegensatz zum Verbrennermodell. Gerade beim Anfahren an Ampeln und Kreuzungen oder bei geringer Geschwindigkeit in verkehrsberuhigten Wohnvierteln wird deutlich: Elektroautos lassen sich leicht übersehen bzw. „überhören“. Dies ist insbesondere für Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen oder schlechter Sehkraft, die sich im Straßenverkehr oftmals auf ihr Gehör verlassen, gefährlich. 

Hier hat die Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates Nr. 540/2014 Abhilfe geschaffen. Seit dem 1. Juli 2019 muss demnach in neuen Typen von Hybridelektroautos als auch reinen Elektrofahrzeugen bis hin zu Brennstoffzellenautos ein akustisches Warnsignal (Acoustic Vehicle Alerting Systems, kurz AVAS) zum Schutz von Fußgängern installiert sein.  Ab 1. Juli 2021 gilt dies dann nicht nur bei neuen Fahrzeugtypen, sondern bei allen Neuwagen mit Elektro- und Hybridantrieb. Bis zu einem Tempo von 20 km/h müssen die Fahrzeuge ein Warngeräusch von sich geben. Oberhalb von 20 km/h entsteht der meiste Lärm in der Regel nicht durch den Motor, sondern durch Abrollgeräusche der Reifen. Hier ergeben sich keine Unterschiede mehr zwischen einem Elektroauto und einem konventionellen Fahrzeug. 

Ein weiterer Vorteil: Das AVAS ist förderfähig. Um die dafür pauschal 100 Euro Förderung des BAFA zu erhalten, muss das AVAS-System zum Zeitpunkt des Kaufs serienmäßig im Auto enthalten sein. Es kann aber auch durch eine autorisierte Werkstatt nachträglich eingebaut worden sein.