Elektromobilität gefährdet ArbeitsplätzeElektromobilität gefährdet Arbeitsplätze

München, 22.10.2020

Als erfahrener Experte im Bereich für intelligente Lade- und Energielösungen hat es sich The Mobility House zum Ziel gesetzt, die weitverbreiteten Märchen rund um das Thema Elektromobilität einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und in Frage zu stellen. In Märchen Nummer neun dreht sich alles um die Gefährdung von Arbeitsplätzen durch die Elektromobilität. 

Eine Übersicht aller Märchen ist hier zu finden.  

Es war einmal...der Jobkiller Elektromobilität!

Die Elektromobilität gefährdet Arbeitsplätze – so ist jedenfalls häufig die öffentliche Wahrnehmung. Doch wie sieht es mit Blick auf die Zukunft wirklich aus? Ist die Elektromobilität tatsächlich ein „Jobkiller“?

Weniger Komponenten, weniger Arbeitsplätze

Denn die Produktion eines Elektroautos ist durch die geringere Zahl an Bauteilen weniger komplex und weniger beschäftigungsintensiv als die eines konventionellen Pkw. Und auch einige Studien prognostizieren dies und rechnen daher mit einem deutlichen Rückgang der Arbeitsplätze in der Automobil- und Zulieferindustrie. Nach Berechnungen des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen sollen bei Autobauern und Zulieferern insgesamt fast 234.000 Stellen in Produktion und Entwicklung von Technik für Verbrennungsmotoren überflüssig werden. Im Gegenzug würden jedoch nur rund 109.000 neue Arbeitsplätze in der Entwicklung und Produktion von Teilen für Elektroantriebe neu entstehen. Bleibt ein Minus von 125.000 Jobs. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), wonach Elektroautos in Deutschland zum Verlust von bis zu 114.000 Arbeitsplätzen, davon 83.000 im Fahrzeugbau führen könnten.

Elektromobilität schafft neue Jobs

Die Auswirkungen auf den Jobmarkt durch die Elektromobilität gehen allerdings weit über die reine Fahrzeugproduktion hinaus, mit positiven Effekten: Es entstehen, zusätzlich getrieben durch den Ausbau der erneuerbaren Energien, neue Arbeitsplätze in mehreren anderen Bereichen, die nennenswerte Auswirkungen  haben können — etwa in der Energiewirtschaft, der Ladeinfrastruktur oder der Digitalisierung. Der Bundesverband eMobilität (BEM) rechnet damit, dass der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur im öffentlichen sowie privaten Raum in den kommenden zehn Jahren ein Personalvolumen von 255.000 Fachkräften erfordert. Um die Stromerzeugungslücke infolge des Atom- und Kohleausstiegs zu vermeiden, müssen Photovoltaik- und Speicherkapazitäten ebenfalls deutlich stärker ausgebaut werden, was einer Studie von EuPD Research bis zum Jahr 2030 mehr als 50.000 neue Jobs in Deutschland schaffen könnte.

Transformation des Arbeitsmarktes 

Und auch andere Mobilitätsbranchen brauchen schon heute händeringend neues Personal: Busfahrer und Zugführer sind Mangelware, auch Elektroniker, Ingenieure, IT-Spezialisten und Servicekräfte sind gefragt. Die Deutsche Bahn sucht aktuell nach 24.000 neuen Mitarbeitern. Eine von der Hans Böckler Stiftung beauftragte Studie, welche die Beschäftigungseffekte nachhaltiger Mobilität in Deutschland bis 2035 untersucht, kommt zu dem Schluss, dass nachhaltige Mobilitätsszenarien sogar zu einem Anstieg der Beschäftigung in der Mobilität führen können. Bei Fokus auf Elektrifizierung und Digitalisierung könnte auch die Beschäftigung in der Automobilindustrie stabil bleiben.