ladeloesung elektrofahrzeuge in wohnungen

Besser spät als nie: Mieter und Eigentümer in Mehrfamilienhäusern sollen es künftig einfacher haben, wenn sie Ladestationen für Elektroautos installieren wollen. Bislang scheiterten Bemühungen dieser Art oft an Einsprüchen der Miteigentümer, und selbst eine „Beeinträchtigung des optischen Gesamteindrucks“ musste als Gegenargument anerkannt werden. Damit soll bald Schluss sein. Das Bundesjustizministerium hat einen Entwurf für ein „Gesetz zur Förderung von Barrierefreiheit und Elektromobilität im Miet- und Wohnungseigentumsrecht“ erarbeitet - und diskutiert darin sogar einen gesetzlichen Anspruch auf eine Lademöglichkeit.

Ein Vorstoß zur rechten Zeit, schließlich gilt der schleppende Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur gerade in den urbanen Ballungszentren, wo die leisen und emissionsfreien Elektroautos ihre Stärken am besten ausspielen können, bremst die Elektromobilität.

Mit dem Entwurf beginnt die deutsche Politik, eine neue Richtlinie des Europäischen Parlaments umzusetzen. Sie besagt, dass spätestens ab dem Jahr 2025 alle neuen und grundlegend sanierten Wohngebäude mit mehr als zehn Parkplätzen mit einer Vorverkabelung ausgestattet werden müssen. Der nachträgliche Einbau von Ladestationen soll problemlos möglich sein. Bei neuen und grundlegend sanierten Geschäftsgebäuden mit mehr als zehn Parkplätzen gilt dies für 20 Prozent aller Parkplätze, zudem muss bereits mindestens ein Ladepunkt installiert und verfügbar gemacht werden.

Wie findet man die passende Ladestation?

Die neue Gesetzgebung und das stetig steigende Interesse an Elektroautos stellt viele, die sich bislang nicht mit Elektromobilität beschäftigt haben, vor die Herausforderung, eine passende Ladestation zu finden. Eine Wallbox zum Anschluss am 400-Volt-Wechselstrom, wie es etwa auch beim Herd in der Küche der Fall ist, ist hier das Maß der Dinge. Sie ist die Schnittstelle zwischen dem Fahrzeug und dem Stromnetz und macht das Laden effizient, komfortabel, sicher und schnell: Mit einer Ladeleistung von bis zu 22 kW ist ein Elektroauto mit einem großen 80-kWh-Akku in knapp vier Stunden wieder vollständig geladen.

elektroauto an ladestation aufladen

Welche Kosten kommen auf den Mieter oder Vermieter zu?

Zusammen mit der Verkabelung und Installation durch einen Fachmann kommt die Ladelösung für Daheim auf 1000 bis 3000 Euro, wobei die Kosten für die Wallbox selbst stark je nach Ausführung, Design und Hersteller variieren. Wer nur Anstecken und Laden will, findet ein passendes Modell schon ab etwa 600 Euro. Technische Zusatzleistungen erhöhen den Preis auf bis zu 1500 Euro für eine intelligente und vernetzte Ladestation, bei der per Smartphone-App oder Web-Browser u.a. wichtige Funktionen gesteuert und Statistiken ausgelesen werden können.

Da Elektroautos ihre Energie aber deutlich effizienter einsetzen als Benziner oder Diesel, fahren sie die Ausgaben für die Ladestation in der Tief- bzw. Gemeinschaftsgarage schnell wieder herein. Zumal es Möglichkeiten gibt, die Kosten fürs Laden zu senken. Eine clevere Wallbox mit integriertem Stromzähler etwa stimmt den Ladevorgang mit der Verfügbarkeit von günstigem Nachtstrom ab. Damit spart ein Elektroauto-Fahrer, der jährlich 15.000 Kilometer zurücklegt und hauptsächlich nachts daheim lädt, Jahr für Jahr gut 100 Euro.

Die Kosten lassen sich auch dank einiger Förderprogramme minimieren. Die Stadt München etwa schießt für Privatpersonen 20 Prozent (maximal 1500 Euro) der Kosten für die Wallbox und die Installation zu, in Nordrhein-Westfalen sind es 50 Prozent (maximal 1000 Euro).

Grundsätzlich ist es Mietern nicht verboten, eine Wallbox zu installieren - ein Rechtsanspruch besteht jedoch nicht. Ohne explizite Zusage des Vermieters darf keine Wallbox installiert werden. Bei Eigentümergemeinschaften muss die Zustimmung aller Miteigentümer vorliegen. Anschließend sind die örtlichen Gegebenheiten zu prüfen und die technischen Voraussetzungen für die Wallbox zu schaffen.

laden von mehreren elektroautos in der tiefgarage

Tipps zum Laden eines Elektrofahrzeuges im Mehrfamilienhaus

Wollen sich gleich mehrere Parteien eines Mehrfamilienhauses Wallboxen zulegen, fallen die Ausgaben für die Installation für jeden Einzelnen geringer aus. In diesem Fall ist ein Lastmanagementsystem sinnvoll, damit mehrere Elektroautos ohne Probleme zur selben Zeit laden können. Ein solches Lademanagement vermeidet teure Stromspitzen und eine Erhöhung des Leistungspreises durch den Energieversorger. Bei einer Lösung mit mehreren Ladepunkten muss jede Wallbox über einen Zähler verfügen, um sicherzustellen, dass auch derjenige den Strom bezahlt, der ihn bezogen hat.

Und generell gilt: Nur ein Elektriker darf Ladestationen installieren, damit alle Vorschriften, etwa für den Brandschutz, eingehalten werden. In einem Mehrfamilienhaus kann es sinnvoll sein, dass sich Elektroauto-Fahrer und solche, die es werden wollen, zu einer Interessengemeinschaft zusammenschließen, der nur diejenigen Eigentümer angehören, die eine Ladestation anschaffen wollen. So können sie die Übernahme der Gemeinschaftskosten für die Installation sowie die jährlichen Gebühren einfach untereinander regeln.

Da es bei Auswahl und Installation einer Wallbox viel zu beachten gibt, ist es sicher auch hilfreich, eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Zusammen mit den Tipps aus diesem Ratgeber sind Sie als Mieter und Vermieter bestens vorbereitet auf das Abenteuer Elektromobilität.