Anleitung zur Elektromobilitätsförderung

München, 01.07.2020

Im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets hat der Bund beschlossen, die Kaufprämien für Elektroautos und Plug-in-Hybride deutlich zu erhöhen: Zusätzlich zu den bis zu 6.000 Euro Umweltbonus, je zur Hälfte getragen von Staat und Autohersteller, gibt es bis Ende 2021 bis zu 3.000 Euro „Innovationsprämie“ obendrauf. Dank einiger weiterer Förderprogramme von Staat, Ländern und Kommunen kann der Förderbetrag sogar deutlich fünfstellig werden. Die geänderte Richtlinie zur Förderung des Absatzes von elektrisch betriebenen Fahrzeugen ist am 07. Juli im Bundesanzeiger veröffentlicht worden und tritt somit ab 08. Juli in Kraft. The Mobility House erklärt, was Elektroauto-Käufer beachten müssen, um die Zuschüsse zu erhalten.

Wer bekommt den Umweltbonus?

Der Umweltbonus wurde bereits im Jahr 2016 eingeführt. Damals gab es bis zu 4.000 Euro Zuschuss für den Kauf eines Steckerautos. Seit dem Start der Kaufprämie setzt sie sich jeweils zur Hälfte zusammen aus einem Bundesanteil und einem Herstelleranteil. Ende 2019 beschloss die Regierung, den Umweltbonus auf bis zu 6.000 Euro zu erhöhen und bis zum Jahr 2025 zu verlängern. Durch die „Innovationsprämie“, eingeführt im Zuge des Corona-Konjunkturpakets, verdoppelt sich nun der staatliche Anteil, der Förderbetrag erhöht sich somit auf bis zu 9.000 Euro. Die maximale Kaufprämie gibt es allerdings nur für reine Elektroautos, deren Listenpreis unterhalb von 40.000 Euro liegt. 

Die genaue Höhe der Förderung ergibt sich nach dem Netto-Listenpreis des Basismodells, der bis zu 65.000 Euro betragen darf, und der Art des Antriebs. Für reine Elektro- sowie Brennstoffzellenautos gibt es mehr Zuschuss als für Plug-in-Hybride. Aufschläge für Sonderausstattungen beeinflussen die Höhe der Kaufprämie nicht. Die neuen Fördersätze können rückwirkend beantragt werden für Fahrzeuge, die nach dem 3. Juni 2020 zugelassen wurden. 

Unter gewissen Umständen ist sogar die Förderung eines jungen gebrauchten Elektroautos möglich — wenn das Elektroauto maximal vor zwölf Monaten und nach 4. November 2019 erstmals zugelassen wurde, weniger als 15.000 Kilometer auf dem Tacho und noch keinen Umweltbonus bzw. keine staatliche Förderung in einem anderen EU-Land erhalten hat. Auch für junge gebrauchte Fahrzeuge mit Zweitzulassung nach dem 03. Juni 2020 gilt die erhöhte Förderung.

Antrieb Listenpreis netto Umweltbonus netto bis 12/2021 Umweltbonus netto ab 01/2022
Batterie / Brennstoffzelle Bis 40.000 Euro 9.000 Euro 6.000 Euro
Batterie / Brennstoffzelle 40.000 - 65.000 Euro  7.500 Euro  5.000 Euro 
Plug-in-Hybrid  Bis 40.000 Euro  6.750 Euro  4.500 Euro 
Plug-in-Hybrid 40.000 - 65.000 Euro 5.625 Euro   3.750 Euro

Für den Umweltbonus antragsberechtigt sind Privatpersonen, Unternehmen, Unternehmen mit kommunaler Beteiligung, Stiftungen, Körperschaften und Vereine. Nicht antragsberechtigt sind der Bund und die Bundesländer sowie deren Einrichtungen und Kommunen, alle öffentlichen Einrichtungen des Staates, die den Begriff des öffentlich-rechtlichen Auftraggebers nach § 99 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) erfüllen, Automobilhersteller, die sich an der Finanzierung des Umweltbonus beteiligen sowie Antragsteller, über deren Vermögen ein Insolvenzverfahren beantragt oder eröffnet worden ist.

Wie beantragt man den Umweltbonus?

Käufer eines Elektroautos erhalten den Herstelleranteil von bis zu 3.000 Euro meist automatisch, er wird direkt mit dem Kaufpreis oder als Leasing-Sonderzahlung verrechnet. Die bis zu 6.000 Euro vom Staat gibt es erst nachträglich auf Antrag. Das Fahrzeug muss vor Antragstellung erworben und zugelassen sein. Für den Umweltbonus zuständig ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz BAFA. Der Antrag muss elektronisch über ein Online-Formular gestellt werden, über das auch bequem alle erforderlichen Unterlagen eingereicht werden können.

Unterlagen bei Kauf:

  • Rechnung
  • Zulassungsbescheinigung Teil II
  • Erklärung der wahrheitsgemäßen Angaben
  • Bei Gebrauchtwagen: Nachweispaket sowie Nachweis über den Listenpreis des Neufahrzeugs

Unterlagen bei Leasing:

  • Leasingvertrag
  • Verbindliche Bestellung
  • Kalkulation der Leasingrate
  • Zulassungsbescheinigung Teil II
  • Abtretungserklärung (nur bei gewerblichem Leasing)
  • Erklärung der wahrheitsgemäßen Angaben

Zusätzlich zum Umweltbonus ist auch ein im Fahrzeug verbautes akustisches Warnsystem (AVAS) förderfähig, welches in vielen Elektroautos bereits integriert ist und laut EU-Gesetz ab 1. Juli 2021 in sämtlichen neu zugelassenen Elektrofahrzeugen enthalten sein muss. Um die dafür pauschal 100 Euro Förderung des BAFA zu erhalten, muss das AVAS-System zum Zeitpunkt des Kaufs serienmäßig im Auto enthalten sein. Es kann aber auch durch eine autorisierte Werkstatt nachträglich eingebaut worden sein. 

Nach positiver Überprüfung durch das BAFA, welche mehrere Wochen bis Monate dauern kann, wird die Förderung bewilligt und auf das angegebene Konto des Antragstellers ausbezahlt. Wichtig: Das Fahrzeugmodell muss sich auf der Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge befinden, welche auf den Internetseiten des BAFA verfügbar ist und regelmäßig aktualisiert wird. Auf der Website des Amtes sind auch einige weitere Detail-Infos zu finden sowie eine Servicenummer für Rückfragen

Mehrwertsteuersenkung bis Ende 2020 erhöht die Förderung

Käufer von Elektroautos profitieren zudem von der Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent, welche ebenfalls Bestandteil des Corona-Konjunkturprogramms ist und ab 1. Juli bis zum Jahresende 2020 gilt. Je nach Kaufpreis des Fahrzeugs sind so zusätzliche Einsparungen von mehr als 1.000 Euro möglich. Beim Renault Zoe beträgt die Ersparnis bei einem Kaufpreis von 21.900 Euro bereits 552 Euro. 

Entscheidend ist dabei das Rechnungsdatum bzw. der Zeitpunkt der Lieferung des Fahrzeugs. Dieses muss im Zeitraum zwischen dem 1. Juli und 31. Dezember 2020 geliefert werden, da das Leistungsdatum, also der Zeitpunkt, ab dem das Fahrzeug zur Verfügung steht und das Rechnungsdatum bei den meisten Autoherstellern identisch sind. Es ist vor allem angesichts der zum Teil langen Lieferzeiten von Elektroautos durchaus sinnvoll, den Neuwagen bereits jetzt zu bestellen, um eine Lieferung im genannten Zeitraum auch realisieren zu können.

Ladeinfrastruktur wird ebenfalls gefördert

500 Millionen will der Bund in den Ausbau privater Ladeinfrastruktur investieren. Wie genau sich dies auf Einzelkunden, die zum Beispiel eine Ladestation in ihrer Garage anbringen möchten, runterbricht, wird noch definiert werden müssen. Doch schon jetzt haben viele Länder und Kommunen ebenfalls zum Teil sehr attraktive Förderprogramme aufgelegt, die unter anderem den Kauf und die Installation einer Lademöglichkeit, sei es daheim, bei Arbeitgebern oder im öffentlichen Bereich bezuschussen. Die Förderbedingungen und Höhe der Zuschüsse sind jedoch von Land zu Land und Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich. Das Land Nordrhein-Westfalen etwa fördert die Installation eines Ladepunktes mit bis zu 2.500 Euro für Privatpersonen, bis zu 4.500 Euro für Unternehmen und bis zu 6300 Euro für Kommunen. Pro Ladepunkt weitere 500 Euro gibt es, wenn die Ladeinfrastruktur zumindest teilweise mit vor Ort selbst erzeugtem Strom betrieben wird. Auch der Aufbau eines stationären Batteriespeichers wird belohnt: mit 200 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität. 

Einen ersten Überblick über die verschiedenen Programme verschafft die Förderdatenbank Elektromobilität von The Mobility House. Dort finden Interessenten neben einigen Detailinfos auch Links zu den jeweiligen Förderprojekten sowie eine praktische Suche nach Postleitzahl. Für Elektroauto-Käufer lohnt es sich mitunter auch, sich selbst bei seiner Kommune oder den örtlichen Stadtwerken nach Förderprogrammen für Elektromobilität zu erkundigen. Viele Kommunen bieten z.B. eine kostenlose Beratung zum Umstieg auf ein Elektroauto an. Und einige Städte und Gemeinden haben ebenfalls kleinere Förderprogramme aufgelegt.

Förderung über steuerliche Anreize

Neben der direkten Förderung von Elektroautos und Plug-in-Hybriden über den Umweltbonus sowie den Zuschüssen von Ländern und Kommunen hat der Staat einige weitere attraktive Anreize gesetzt, um den Verkauf von Elektroautos zu unterstützen. So entfällt die Kfz-Steuer für reine Elektroautos nicht mehr nur bis 2025, sondern bis 2030, während die Steuersätze für Verbrenner mit steigendem Verbrauch nach oben angepasst werden. Und bei der Dienstwagenbesteuerung kommen nun auch Fahrer von Elektroautos bis 60.000 Euro Brutto-Kaufpreis in den Genuss der 0,25-Prozent-Besteuerung, welche Einsparungen im deutlich vierstelligen Bereich pro Jahr ermöglicht. Diese Grenze lag bislang bei 40.000 Euro.