Tesla an der Ladestation, Bildquelle: Shutterstock

Das Elektroauto hat es schwer: Die einen wollen sich nach jahrzehntelanger Lobpredigt auf den Dieselmotor nicht gleich die nächste Technologie auferlegen lassen. Die anderen debattieren um fehlende Reichweite, als wäre es bei Autos noch nie um etwas anderes gegangen. Mal ehrlich: Brauchen Sie mehrere hundert Kilometer Reichweite jeden Tag? Na also. Für die breite Bevölkerung wäre das E-Auto schon jetzt der ideale Alltagsbegleiter: leise, schick, komfortabel und vor allem: lokal emissionsfrei und damit ganz sicher vor Fahrverboten in Innenstädten. Nur einen Haken gibt es eben doch: Die meisten Elektroautos sind schlicht zu teuer, allen voran ein cooler Tesla. Die gute Nachricht: Das ändert sich bald!

Tatsächlich verändert die Elektromobilität die Welt in einem Ausmaß, das wir noch gar nicht absehen können. Die Telekommunikation hat es vorgemacht: So wie das Telefon früher nur zum Telefonieren da war, ist das Auto heute nur zum Fahren da. Und so wie das Smartphone heute jeden Winkel unseres Alltags durchdrungen hat, wird das Elektroauto von morgen die Mobilität revolutionieren. Ein Auto ist dann kein Fahrzeug mehr, sondern eine Mobilitätsdienstleistung: smart, digital und vernetzt.

Die spannendste Perspektive hierbei ist der Zusammenschluss der Energie- mit der Automobilbranche

Intelligente Ladetechniken schaffen die Voraussetzung, um das Elektroauto aktiv in das Stromnetz zu integrieren. Die Idee ist simpel: Energie wird dort gebraucht, wo Menschen sind und da sind auch ihre Elektroautos nicht weit. Weil ein Auto im Schnitt 95 Prozent des Tages steht, kann die im Elektroauto verbaute Batterie als temporärer Energiespeicher einspringen, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Sind die Netze voll, werden sie geladen und fangen so das Überangebot auf. Steigt die Energienachfrage, geben sie den Strom wieder ab. Auf dieselbe Weise wird der Energieverbrauch in Gebäuden und Wohnhäusern optimiert. Intelligent miteinander vernetzt, werden Elektroautos zum Dienstleister für das Stromnetz. Energie wird dann nicht mehr in großen Kraftwerken, sondern lokal produziert und verbraucht. Das hilft der Energiewende und spart den Netzbetreibern den Ausbau von Stromtrassen.

Durch den Handel mit gespeicherter Energie verdient das Elektroauto Geld. Realistisch geschätzt können das bis zu 2.000 Euro Umsatz sein, die das Gefährt als Energiedienstleister jedes Jahr erzielt. Dadurch refinanziert sich die Anschaffung quasi von selbst. Hinzu kommt: Heute macht die Batterie mit etwa 40 Prozent den Löwenanteil der Gesamtkosten des Fahrzeugs aus. Da die Forschung aber laufend die Leistungswerte von Energiespeichern verbessert und sich ausgediente Fahrzeugakkus außerdem vermehrt für weitere Anwendungen nutzen lassen, werden die Kosten weiter sinken. Ein Tesla in der Garage wird so bald günstiger sein als jeder Mittelklasse-Benziner. Irgendwann werden sich nur noch Reiche leisten können, Benzin zu verbrennen.

Ein Kommentar von Thomas Raffeiner, CEO und Gründer von The Mobility House, im ELO Magazin.