Der Betreiber der öffentlichen Verkehrsmitteln in Venedig hat seine Busflotte elektrifiziert. Rund 80 E-Busse werden an 44 DC-Ladestationen aufgeladen, um die Emissionen des öffentlichen Nahverkehrs zu senken. ChargePilot® ist für das effiziente Lastmanagement verantwortlich.
Elektrifizierung im historischen Venedig
Im Zuge der Elektrifizierung ihrer Busflotte suchte ACTV – der Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs in Venedig – nach einer zukunftssicheren Ladelösung für das Busdepot nahe der Lagunenstadt.
Im Rahmen ihres Fahrplans zum emissionsarmen Personentransport hat nun auch die Stadt Venedig eine neue Ladeinfrastruktur eingeführt, um den Betrieb ihrer batterieelektrischen Busflotte zu unterstützen – in Partnerschaft mit ABB E-mobility, MAN Truck & Bus Italien, Telebit und The Mobility House Solutions.
Das Vorhaben ist Teil des Nationalen Aufbau- und Resilienzplan (PNRR) Italiens, der Mittel für nachhaltige Mobilitätsprojekte in großen städtischen Gebieten bereitstellt. Die Einführung von Elektrobussen in Venedig wird durch lokale Finanzmittel und technische Partnerschaften unterstützt und steht dabei im Einklang mit den übergeordneten europäischen Zielen und Vorgaben zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen und zur Verbesserung der Luftqualität in Städten.
Obwohl Venedig einzigartige geografische Herausforderungen mit sich bringt, zeigt das Projekt, dass koordinierte Planung und integrierte Technologie auch in historisch begrenzten Städten praktikable emissionsfreie Lösungen ermöglichen können.
44 DC-Schnellladestationen intelligent vernetzt
In Zusammenarbeit mit ABB E-mobility und dem Systemintegrator Telebit wurden im ACTV-Busdepot 44 ABB Terra DC-Ladestationen mit jeweils 184 kW-Leistung installiert, die von einer insgesamten Netzkapazität von 5 MVA unterstützt werden. Jede Ladestation verfügt über Fernverwaltungsfunktionen, die Echtzeit-Diagnosen, Wartungsplanung und Ladeoptimierung auf der Grundlage des Lastprofils des Depots ermöglichen.
Das Ladesystem ist so konzipiert, dass eine vollständige Interoperabilität zwischen der Infrastruktur, den Fahrzeugsystemen und den Energiemanagementplattformen gewährleistet ist.
ChargePilot übernimmt dabei die vollständige Steuerung des statischen Lastmanagements. Eine Besonderheit war die Integration eines Multi-Fuse-Setups mit drei Unterverteilungen, gespeist über drei parallel geschaltete Transformatoren. Der maximale Energiebezug wird durch die Kapazität des Mittelspannungsanschlusses bestimmt, sodass ChargePilot innerhalb dieser Grenzen die Energieflüsse intelligent steuert.
Die Infrastruktur wurde außerdem skalierbar aufgesetzt, sodass eine zukünftige Erweiterung problemlos möglich ist, sollten weitere emissionsfreie Fahrzeuge eingeführt werden.
Die Busse, die jeweils eine tägliche Strecke von ca. 200 km zurücklegen, werden über Nacht mit 150-kW-Gleichstrom-Schnellladegeräten aufgeladen. Diese Konfiguration stellt sicher, dass die Fahrzeuge jeden Morgen einsatzbereit sind, ohne dass es zu Unterbrechungen des Fahrplans kommt.
Remote-Expertise trifft lokale Exzellenz
Obwohl technisch über ChargePilot möglich und von unserer Seite intensiv über das ChargePilot Dashboard getestet, ist vonseiten ACTV bislang keine fahrplanbasierte Steuerung gewünscht. Der Kunde wollte den Zielladestatus (SoC) direkt im Bus-Backend einstellen und entschied sich auch aufgrund von ausreichend vorhandener Anschlussleistung vor Ort zunächst für ein statisches Lastmanagement.
Die Fahrer:innen haben keine fest zugewiesenen Busse, sondern können vor ihrer Schicht aus den verfügbaren, vollgeladenen Bussen auswählen. Über ein Ampelsystem über den Parkplätzen der Busse ist sichtbar, ob ein Bus gerade lädt oder nicht: ChargePilot erkennt den Status der jeweiligen Ladestationen (verfügbar, Laden, Fehler), gibt dies über ein TCP-Protokoll an eine lokale speicherprogrammierte Steuerung von Siemens und wird dort in die visuellen Signale der Ampeln übersetzt.
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Die MAN-Busse wiederum werden zum Laden automatisch über deren MAC-Adresse autorisiert, die im ChargePIlot hinterlegt wurden.
Der technische Rollout vor Ort wurde von unserem Partner Telebit übernommen, einem Lösungsanbieter mit starker Systemintegrationskompetenz. Bei The Mobility House Solutions unterstützten wir remote mit:
- Anlage der Fahrzeug-IDs
- Integration und Konfiguration der Ladestationen im ChargePilot Backend
- Aufbau und Abbildung der elektrischen Struktur im System (Parametrierung)
Projektstart war am 22. Oktober 2024, und nach intensiver Vorbereitung ging das System bereits Mitte März 2025 live. Die gute Kommunikation und einfache Zusammenarbeit mit Telebit erwies sich dabei als Grundstein für die erfolgreiche Umsetzung.
"Telebit hat als höchst kompetenter Partner exzellentes Systemdesign und sehr gute technische Dokumentationen geliefert und organisatorisch alles perfekt für uns vorbereitet, sodass die Inbetriebnahme in weniger als einem Arbeitstag abgeschlossen werden konnte. Eine so unkomplizierte Inbetriebnahme habe ich bei einem Busprojekt in dieser Größenordnung bislang nicht erlebt."
Markus Fichtner,
Rollout Manager Smart Charging bei The Mobility House Solutions
Von Anfang an lag ein großes Augenmerk darauf, das Gesamtsystem aus E-Bussen, Ladestationen und Lastmanagement umfassend mit verschiedenen Use Cases zu testen, um eine problemlose Implementierung zu garantieren. So konnte ACTV ein reibungslos funktionierendes Gesamtsystem übergeben werden.
Eine reibungslose Projektumsetzung dank geballter Expertisen
Für das Projekt von ACTV am Busdepot in Venedig haben sich Industrie-Experten zusammengefunden: MAN Truck & Bus Italia hat die Elektrofahrzeuge angeliefert, während ABB E-mobility die Lieferung und Inbetriebnahme der Hardware verantwortete. The Mobility House Solutions lieferte die ChargePilot Hardware und Software für intelligentes Lastmanagement und Systemintegrator Telebit war der kompetente Partner und unser verlängerter Arm vor Ort, um die Ladeinfrastruktur aufzusetzen.
Dank der intelligenten Architektur und präzisen Abstimmung aller Beteiligten wurde am Busdepot in Venedig eine Lösung geschaffen, die sowohl skalierbar als auch zukunftssicher ist – und einen weiteren wichtigen Schritt zur Elektrifizierung des europäischen ÖPNV markiert.
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