Elektroauto öffentlich laden

Welcher Ladetarif ist der Richtige für mich?

Ob ein Elektroautos im Alltag praktisch ist, steht und fällt mit seiner Reichweite. Mit der Nutzung öffentlicher Ladesäulen gewinnen Sie ein stückweit an Flexibilität, wenn Sie einmal weitere Fahrstrecken mit Ihrem Fahrzeug zurücklegen möchten. Jedoch werden Sie als Elektroautofahrer mit einem Dschungel an diversen Abrechnungssystemen, verschiedenen Stromtarifen und Zugangssystemen konfrontiert und man verliert schnell den Überblick. Bei der Auswahl des richtigen Ladesäulen-Anbieters spielt Ihr eigenes Ladeverhalten eine ausschlaggebende Rolle.

Welcher Ladetyp bin ich?

Wir von The Mobility House haben verschiedenes Ladeverhalten von Elektroautobesitzern im öffentlichen Bereich analysiert und dabei drei Haupt-Ladetypen erkannt. Hierzu haben wir ein Elektroauto mit einer Batteriekapazität von 20 kWh und einer Ladeleistung von 3,7 kW zugrunde gelegt. Dies entspricht beispielsweise dem BMW i3 oder dem Nissan Leaf.

Batterie - Notfalllader

Notfalllader

Sie laden Ihr Elektroauto meistens an der eigenen Ladestation zu Hause oder am Arbeitsplatz. Unterwegs laden Sie nur im Notfall. Ihre Durchschnittslademenge an einer öffentlichen Ladestation beträgt ca. 20 kWh pro Monat. Das entspricht zum Beispiel einer Vollladung.

Batterie - Gelegenheitslader

Gelegenheitslader

Sie sind sehr viel in der Stadt unterwegs und laden ab und zu Ihr Elektroauto auch einmal auf. Ihre Durchschnittslademenge beträgt an einer öffentlichen Ladestation ca. 50 kWh pro Monat. Sie laden also beispielsweise zweieinhalb Mal voll im Monat.

Batterie - Viellader

Viellader

Sie sind regelmäßig auf Geschäftsreise und auf die öffentlichen Ladestationen für Ihr Elektroauto angewiesen. Ihr Elektroauto laden Sie im Durchschnitt fünf Mal monatlich an öffentlichen Ladesäulen voll. Das entspricht einer Ladung von ca. 100 kWh pro Monat.

Vergleich der Abrechnungssysteme bei öffentlichen Ladesäulen

Auf der Fahrt mit dem Elektroauto durch Europa begegnen Ihnen viele verschiedene Ladesäulen mit unterschiedlichen Abrechnungssystemen. Die meisten funktionieren jeweils mit einer eigenen Ladekarte oder Lade-App. Aktuell gibt es allein in Deutschland über 300 unterschiedliche Ladekarten. Im Normalfall ist es notwendig, sich bei dem Betreiber der Ladesäule zu registrieren.

 

Die Ladestrom-Tarife sind oftmals intransparent und basieren auf unterschiedlichen Bezahlmodellen: Grundgebühren, Prepaid-Tarife oder es wird nach einem der folgenden vier Preiskomponenten abgerechnet:

  • Zeit: Manche Anbieter verrechnen, wie lange Sie Ihr Elektroauto an der jeweiligen Ladestation angeschlossen haben. Dabei ist zu beachten, dass nicht nur die Ladezeit berechnet wird, sondern die gesamte Zeit, die Ihr Elektroauto an der öffentlichen Ladesäule hängt.
  • Lademenge: Einige Anbieter stellen die Lademenge, also die kWh, die Ihr Elektroauto lädt, in Rechnung.
  • Grundgebühr: Zusätzlich zur geladenen Zeit oder Lademenge kann je nach Anbieter eine weitere monatliche Grundgebühr anfallen. Diese fällt immer an, unabhängig von der Lademenge und Zeit.
  • Startgebühr: Es fällt ein einmaliges Entgelt für das Starten eines Ladevorgangs an.

Abhängig vom Betreiber der Ladestation können diese Preiskomponenten auch miteinander kombiniert werden.

Welche Ladekarte ist die passende für mich?

Die wichtigsten Anbieter öffentlicher Ladesäulen

Die Wahl der passenden Ladekarte hängt neben dem eigenen Fahrverhalten auch stark von der jeweiligen Region ab. Für Vielfahrer ist zum Beispiel eine Karte mit monatlicher Grundgebühr von Vorteil, da hier geringere bzw. gar keine Kosten für die einzelne Ladung anfallen. Für Gelegenheitsfahrer hingegen ist meist eine Prepaid-Karte am sinnvollsten.

Wir geben Ihnen einen kurzen Überblick über die wichtigsten Ladeanbieter im europäischen Raum.

Roaming Anbieter

Icon: Notfalllader

Einige Marktteilnehmer wollen das Laden im öffentlichen Raum einfacher gestalten, indem Sie Ladekarten anbieten, die mit möglichst vielen Ladestationen kompatibel sind. Bei den Roaming-Lösungen können Fahrer von Elektroautos nicht nur die Lade-Infrastruktur des eigenen Netzwerks nutzen, sondern erhalten auch Zugang zu den Ladesäulen der Roaming-Partner. Das ist ideal für Notfalllader.

Plugsurfing und NewMotion bieten das Laden an nahezu allen Ladestationen in Europa an. Sie übernehmen die komplette Abrechnung - bezahlt wird allerdings nach dem Tarif, den der Ladesäulenbetreiber festlegt. Die beiden Anbieter verlangen für diesen Service keine monatliche Grundgebühr, sondern verdienen an Aufschlägen auf die Ladekosten. Abgerechnet wird die Ladezeit, die geladene Strommenge oder eine bestimmte Startgebühr.

Unterwegs laden mit Ladekarte
AnbieterAnzahl StationenMonatliche GrundgebührKosten: Aufladung ACWeitere Informationen
NewMotion 100.000 (EU) - variiert* Laden mit App, RFID-Ladeschlüssel oder Ladekarte. Ladekosten werden per Lastschrift abgerechnet.
Plugsurfing 108.000 (EU) - variiert Laden mit Lade-App oder RFID-Ladeschlüssel (9,95 €). Plugsurfing rechnet die Ladevorgänge monatlich ab.
Telekom 13.400 (DE) - 0,29 € / kWh  Laden mit der Telekom Ladestrom App bei bevorzugten Ladepartnern wie Allego, Bosch, Innogy und weiteren. 
ADAC e-Charge 28.000 (DE, AT, CH) - 0,29 € / kWh Für ADAC Mitglieder. Bezahlt wird mit der EnBW mobility+ App oder mit der ADAC e-Charge Card

*NewMotion berechnet Transaktionskosten: national und international: 0,35 € inkl. MwSt. pro Ladevorgang. Ab 20 Transaktionen im Monat entfallen diese.

Stand: Juni 2019

Örtliche Stromversorger

Icon: Gelegenheitllader

Der Energieversorger EnBW bietet für Elektroauto-Besitzer eine Lade-App an, mit der man Ladestationen finden und das Laden bezahlen kann. Die Abrechnung erfolgt nach geladenem Strom. Der Standard-Tarif ohne Grundgebühr ist ideal für Gelegenheitslader, um flexibel zu bleiben. 

Der MAINGAU Energiekonzern bietet seinen Kunden einen extra Autostromtarif, mit dem sie an knapp 9.000 Ladepunkten in Deutschland ihr Fahrzeug laden können. Hier wird ab April 2019 nun auch nach Kilowattstunde abgerechnet. 

Mobil abrechnen mit einer Lade-App

Icon: Viellader

Elektroauto-Vielfahrer sind mit einer Flatrate am besten beraten. Diese bietet beispielsweise Enspire Energie an: Für 25 Euro im Monat können Kunden damit so viel Strom tanken, wie sie wollen. Das Ladenetzt ist allerdings mit 3.000 Ladestationen vergleichsweise klein.

Da lohnt es sich, auch Viellader-Tarife wie die von EnBW und Innogy ins Auge zu fassen. EnBW empfielt diesen bereits ab einem Verbrauch von rund 50 kWh im Monat. 

AnbieterAnzahl StationenMonatliche GrundgebührKosten: Aufladung ACWeitere Informationen
EnBW mobility + App 25.000 (EU) -

0,39 € /kWh

Preise gelten im Standard-Tarif. Im Viellader-Tarif gelten 0,29 € /kWh (AC) und 0,39 € / kWh (DC) bei einer monatlichen Grundgebühr von 4,99 €.
ENTEGA - Ladekarte 90.000 (EU)   0,36 € / kWh

Für ENTEGA-Kunden. Monatsabrechnung per E-Mail. Zusätzlich: ENTEGA App "Stromtankstellen-Finder"

NATURSTROM Ladekarte 80.000 (EU) - 5,90 € / Ladevorgang*

Für Energiekunden von NATURSTROM ohne Bereitstellungspreis

Maingau: EinfachStromLaden Autostromtarif mit Ladekarte & App 35.000 (EU) - 0,25 € / kWh 

Preise gelten für Maingau Kunden. Zusatzkosten entstehen ab 120 min. AC- bzw. 60 min. DC-Laden

Innogy: eCharge App: ePower basic (AC) 2.400 (DE) 4,95 € 0,30 € / kWh Tarif für regelmäßiges Laden**. Alternativ: innogy ePower direct für gelegentliches Laden für 0,39 € / kWh (AC), ohne Grundgebühr. 
Enspire Energie (Ökostrom) 3.000 (DE) - 25,00 € / Monat Flatrate für Enspire-Kunden mit Vertragsbindung. Umfasst auch den Zugang zu den Roaming-Ladepunkten von ladenetz.de.

** Vertragsbindung mind. 12 Monate
Stand: Juni 2019

Automobilhersteller

Hersteller wie BMW, Volkswagen, Renault oder Tesla bieten eigene Abrechnungssysteme an, die ausschließlich Elektrofahrzeugen der jeweiligen Marke vorbehalten sind. 

Für Tesla gilt wieder ein anderes System: Die SuperCharger Ladesäulen können direkt angefahren und genutzt werden. Die Abrechnung erfolgt über das Nutzerkonto bei Tesla, das Sie mit dem Kauf eines Tesla-Wagens eingerichtet haben. Hier kostet das Laden im Durchschnitt 0,40 € pro kWh. (Stand: 05/2019)

AnbieterAnzahl StationenTarifMonatliche GrundgebührKosten: Aufladung ACWeitere Informationen
BMW 91.400 (weltweit) ChargeNow Flex 20,00 € Aktivierungsgebühr, danach 0 €

0,07 €/min (Tag); 0,035 €/min (Nacht)

Exklusiv für BMW-Halter; zzgl. Roaming-Gebühren im Ausland

BMW 91.400 (weltweit) ChargeNow Active 9,50 € / Monat

0,04 €/min (Tag); 0,02 €/min (Nacht)

 s.o.
Volkswagen 10.000 (DE) Charge & Fuel (Card oder App) - 5,90 €/ Ladevorgang Exklusiv nur für Halter eines Elektro- oder Plug-in-Hybridfahrzeugs der Marken Volkswagen, Audi oder Volkswagen Nutzfahrzeuge
Renault 4.000 (DE) Z.E. Pass - Variiert, abhängig vom Betreiber Exklusiv für Halter eines Renault-Elektroautos. Bezahlung direkt über Paypal oder per Kreditkarte.

Stand: März 2019

Plug & Charge: Laden ganz unkompliziert und ohne Ladekarte

Ein neuer Ansatz geht über den Standard ISO 15118. Hier wird das Auto selbst zur Geldbörse und das Hantieren mit Karten und Apps überflüssig.

Der Datenaustausch zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur wird automatisiert und abgesichert. Sobald das Ladekabel eingesteckt ist, kommuniziert das Fahrzeug verschlüsselt mit der Ladestation und der Ladevorgang startet automatisch. Das abschließende Bezahlen erfolgt ohne weiteres Zutun.

Aktuell sind die Daimler Modelle smart EQ fortwo/forfour dafür ausgelegt. Weitere Informationen zu dem aktuellen Projekt von Hubject und Daimler: Plug & Charge

Deutsche Studie warnt vor Kostenfallen beim öffentlichen Laden

Im Rahmen der Studie „Vergleichsanalyse mobiler Ladestromtarife 2019“ hat das Bonner Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmen EuPD Research alle in Deutschland verfügbaren 123 Autostromtarife untersucht. Die Studie zeigt einerseits eine sehr vielfältige Landschaft an Angeboten zum öffentlichen Laden von Elektroautos, andererseits auch eine hohe Intransparenz hinsichtlich der Preise.

Zwar fallen die Durchschnittskosten von 23 bis 32 Cent je kWh je nach Automodell eher gering aus, jedoch sind im Extremfall auch Ladekosten von 60 Cent bis 1,39 € pro kWh möglich. Wenn der Autostrom zudem nach Ladezeit oder Ladevorgängen abgerechnet wird, ist es für den Endkunden nicht auf den ersten Blick ersichtlich, wie teuer ihn die Stromladung je kWh kommt.

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Wie wirkt sich die Eichrechtskonformität auf das öffentliche Laden aus?

Die Eichrechtskonformität bringt Verbrauchern mehr Sicherheit und Transparenz bei der Abrechnung. Die Hersteller von Ladestationen arbeiten gerade daran, die Eichrechtskonformität bei Ihren Ladestationen sicherzustellen. Das bedeutet, dass Messgeräte die Messerergebnisse in geeigneter Form darstellen und gegen Verfälschung absichern müssen. Zusätzlich müssen die Messergebnisse prüfbar sein. Somit ist in der Zukunft gewährleistet, dass Kunden genau das bezahlen was Sie tatsächlich geladen haben und dies auch nachvollziehen können.

Eigentlich müssen alle Ladesäulen ab dem 1. April 2019 geeignete Messsysteme aufweisen. Das Prinzip der Eichrechtskonformität wurde schon lange an die Ladestationsbetreiber kommuniziert. Der Strom muss nach kWh gemessen werden. Es muss zudem eindeutig sein, wem ein jeweiliger Ladevorgang zugeordnet wird. 

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